Der Walter-Gladrow-Gedenklauf: Zwischen sportlichem Vermächtnis und historischer Verantwortung

Der SV Turbine Neubrandenburg e.V. blickt auf einen erfolgreichen zweiten Walter-Gladrow-Gedenklauf zurück. Als Verein ist es uns ein Anliegen, zu den jüngsten öffentlichen Diskussionen um die Person Walter Gladrow und die Aufarbeitung der DDR-Sportgeschichte eine abschließende und klare Position zu beziehen.

Walter Gladrow hat über Jahrzehnte den Laufsport in Neubrandenburg geprägt. Für den SV Turbine Neubrandenburg e.V. und Generationen von Athlet*innen war er ein leidenschaftlicher Mentor, der Menschen für den Sport begeistert und zu persönlichen Bestleistungen motiviert hat. Sein Engagement für den Breiten- und Leistungssport ist ein fester Bestandteil unserer Vereinsidentität. Mit dem Gedenklauf ehren wir diesen persönlichen Einsatz und den Menschen, der für viele Sportler*innen ein wichtiger Wegbegleiter war.

Gleichzeitig verschließt der SV Turbine Neubrandenburg e.V. nicht die Augen vor der Komplexität des DDR- Sportsystems. Wir sind uns bewusst, dass Walter Gladrows Wirken in einer Ära stattfand, die durch den „Staatsplan 14.25“ und systematisches Doping geprägt war. Ebenso ist uns bewusst, dass Trainer*innen in diesem staatlich gelenkten System Teil von Strukturen waren, die heute zu Recht kritisch bewertet werden. Die damit verbundenen Schattenseiten sowie das Schicksal der Betroffenen sind Teil unserer gemeinsamen Geschichte, den wir weder leugnen noch relativieren.

Unser Gedenken ist keine Verklärung der Vergangenheit, sondern Ausdruck einer differenzierten Vereinskultur. Wir trennen die menschliche Wertschätzung für einen verdienten Trainer von der notwendigen kritischen Einordnung des politischen Systems in dem er agierte. Der SV Turbine Neubrandenburg e.V. sieht den Gedenklauf als Symbol für die verbindende Kraft des Sports, die über politische Epochen hinausreicht.

Unser Fokus liegt darauf, die Werte von Fairness, Transparenz und Gemeinschaft im heutigen Sportalltag zu leben und weiterzugeben. Wir laden alle ein, diesen Weg mit uns gemeinsam zu gehen – im Respekt vor der Vergangenheit und mit Verantwortung für die Zukunft.